Rabbiner Samson Raphael HIRSCH
(1808-1888)
וישלח פרשת
Kap.32 V.8 Da
fürchtete sich Jaakob sehr und es war ihm Angst. Er teilte die Leute, die er
bei sich hatte, und so auch die Schafe, de Rinder und die Kamele zu zwei
lagern,
Kap. 32, V.8 …Wie Jakob und Esaw
hier einander gegenübertraten, so stehen sie bis auf den heutigen Tag Jakob und
Esaw gegenüber. Jakob: der dienende, arbeitende, sorgenerfüllte, mit
Familiengliedern gesegnete Familienvater. Esaw: der „fertige, gemachte“ Mensch.
Was Jakob trotz des erhaltenen Segens und der erhaltenen Erstgeburt erst durch
zwanzig mühevolle Jahre hatte erringen und erkämpfen müssen und nun als das
größte Los, als die größte Errungenschaft mit heimbrachte: selbständiger
Familienvater sein zu können, das ist andern die von der Wiege an mitgegebene
natürlichste Voraussetzung, das hatte Esaw „der fertige, gemachte“ Mensch,
schon, als Jakob erst auszog, in vollen Maße besessen; und während Jakob mit
seiner Arbeit das Glück errang, Familienvater zu sein, war Esaw inzwischen eine
politische Größe, war Volks – Heerführer, ein אלוף mit seinen Reisigen
geworden. So der äußere Gegensatz des
„Fersenhalters“ und des „Gemachten“.
Zwei Prinzipien sinds, die sich in Jakob und Esaw begegnen und deren
Kampf und Sieg die Weltgeschichte bedeutet. Das menschlich beglückende und
beglückte Familienleben in Jakob, der Glanz politischer Macht und Größe in Esaw.
Jahrtausende herab gilts dem Kampfe: ob es genüge, Mensch zu sein, und alle
soziale und politische Macht und Gestaltung nur Wert habe als Mittel, dieses
Höheziel aller Menschenbestrebungen zu erreichen, oder ob alles Menschliche im
Menschen, Haus und Familienleben, nur da sein, um den Trophäen der Politik u.u.
zum Unterwurf zu dienen;
Und wie ganz anders ist Jakob dem
Esaw gegenüber, als eben dem Laban. Wir erkennen, welche Kraft das Bewusstsein
der Unschuld gibt und welch ein drückendes Gefühl selbst auch nur aus dem
Anschein einer Verschuldung erwächst. Zwanzig Jahre Kampf gegen unschuldig zu
erleidenden Unrecht schlagen nicht so nieder, als eine Minute einem Menschen gegenüber, von dem
wir wissen, daß er sich durch uns gekränkt fühlen muss und die Motive, die uns,
wenn auch nicht rechtfertigen; doch entschuldigen können, gar nicht einzusehen
vermag!
Jakob fürchtete, obgleich ihn die
Schutz zusagende Gottesverheißung geleitete: מכאן, bemerkt das lehrende
Wort der Weisen, שאין הבטחה לצדיקים בע"הז, es gibt keine
unbedingte Zusicherung dem Frommen in diesem Leben. Eine jede ist durch
fortdauernde Untadelhaftigkeit bedingt, ein jede kann in jedem Augenblick durch
ein Fehltritt verscherzt werden; שמא יגרום החטא, das ist die Besorgnis, die aus der Brust
der erwähltesten Frommen nie weicht.– …
In solcher Lage fühlte sich Jakob
damals Esaw gegenüber, und das ist die Lage, in der wir uns Jahrhunderte herab
den Esawvölkern gegenüber befanden. Es ist das jener Zustand, den die
Galuthverkündung חמת קרי (3 B.M. 26,28), „Wüthen des Zufalls“,
nennt, dass unser Heil, unser Leben, unser Fortkommen nirgends das
Beabsichtigte, Maßgebende war, sondern sich den Zwecken aller Übrigen als das
Unberechtigte hingeben und sich mit dem begnügen musste, was als Abhub von der
Glückstafel des andern uns zufällig zufiel. ויצר לו sagte demnach: Jakob
fühlte, dass er der Willkür des an der Spitze einer bewaffneten Macht gegen den
heranziehenden Esaw völlig preisgegeben sei, und um doch etwas zu retten –
teilte er. So war auch
unsere Zerstreuung im Galuth das Mittel unserer Erhaltung und Rettung. Nie und
nirgends konnte uns Esaws Schwert auf einmal erreichen. Während wir am Rhein
bluteten, waren unsere Brüder im Slawenreiche glücklich, und umgekehrt. צדקה עשה ה"בה לישראל שפזרן לבין
האומות (Pesachim 87b). Dasselbe tat Jakob im Drange der Not.
V.25 Übrig
blieb Jaakob allein, da rang jemand mit ihm, bis der Morgen heraufzog.
V.25 …Es hatte Jakob die
Winzigkeit des Beistandes, dem er von den Seinigen zu erwarten hatte, gegen
diese diesem gegenüber riesige Macht Esaws gemessen, und das Resultat dieser
Erwägung hatte ihm einen Angstruf zu Gott entlockt, auf welchem ihm noch erst
die Antwort werden sollte. Diesen Angstruf „הצילני נא“ bezeichnen die Andeutungen
der Propheten, als das dritte Merkzeichen der Geula, als der Geula, die sich in
der vollendeten, preisgebenden Machtlosigkeit des Galuth bewährt. Das Erlebnis,
das ihm die so bedeutungsvolle Antwort bringen sollte, traf ihm entsprechend in
einem solchen Momente, wo er auch noch des winzigen Beistandes, dessen er
gewärtig sein konnte, beraubt, völlig allein sich befand, und nur auf das
seiner Persönlichkeit Inwohnende angewiesen war. …
V.27 Da
sprach er: Entlasse mich, denn der Morgen ist heraufgezogen. Er aber sprach:
Ich entlasse dich nicht, du habest mich denn gesegnet.
V.27 …Das Ziel der Geschichte liegt nicht darin daß
Jakob gezwungen werde in die Masse der Völker aufzugehen, sondern umgekehrt,
daß die Völker zur Einsicht gelangen, gerade in dem, inmitten aller Kämpfe von
Jakob vertretenen und emporgehaltenen Prinzipe liege auch das Heil der Völker,
dem sie sich huldigend anzuschließen, und das vielmehr sie selbst mit allen
ihren geistigen und materiellen Mitteln zu fördern, ja als das einzige Ziel
anzustreben haben. –
V.29 Da
sprach er: Nicht Jaakob soll mehr dein Name gesprochen werden, sondern Jissroél;
denn du bist bei Gott und bei Menschen der Überragende geworden, da du vermocht
hast.
V. 29 לא יקרא nicht ,
לא יאמר:
dein Name soll nicht mehr „der die Ferse zu halten Bestimmte“ „gedeutet“
werden; nicht, er soll nicht mehr Jakob heißen (erteilt wird ihm der Name Jissroél
erst später durch Gott, Kap. 35,10) sondern der Name Jakob selbst soll als Jissroél
begriffen werden. ישראל vonשרה , der einen Seite des
Herrscherbegriffes, überragen, größer sein, heißt ja wörtlich: Gott ist der
Überragende, der alles andere an Macht und Größe Überwältigende, und das soll
in Wahrheit die Bedeutung des Zustandes sein, der durch יעקב ausgedrückt ist. Nur
wenn ein ,יעקב eine seiner äußeren Erscheinung nach nur
unter die Ferse alles übrigen Gewiesenes, die feindseligste Angriffe und Kämpfe
des materiell gerüsteten Gegners siegreich besteht, weist dieser Erfolg auf das
Vorhandensein einer alle materielle Größe und Macht überwiegenden geistigen
Kraft, auf das Vorhandensein einer Gottesmacht hin, die sich eben in der
siegreichen Ausdauer dieses äußerlich Schwachen offenbart, und ist somit gerade
יעקב
als ישראל zu begreifen. –
ותוכל, da du vermocht hast.
Du hast das vollständig erreicht, was du gewollt, nicht ich. Ich wollte dich
niederwerfen, das habe ich nicht vermocht; Du wolltest nur nicht niedergeworfen
werden, das ist dir gelungen. Das ist auch für alle Zeit die Stellung Jakobs
und Esaws geblieben. Politisch und religiös spricht Esaw: außer mir kein Heil,
und erkennt seine Existenz für beeinträchtigt, so lange noch außer ihm ein
Jakob, so lange es außer ihm noch eine
Potenz gibt, die es beansprucht, auch zur Gestaltung der Welt in voller Berechtigung
zu gehören; Jakob lässt
alles Reinmenschliche in unangetasteter Berechtigung, ja verkündet allem
Reinmenschlichen gerade die höchste Bedeutung und Blüte, wenn es den von ihm zu
bringenden Geist in sich aufnimmt und zur Verwirklichung hinauslebt.
„Segnende Anerkennung“ ist das einziges um welches Jakob mit Esaw ringt. …
V.30 Jaakob
fragte darauf und sprach: Sage mir doch deinen Namen. Er aber sprach: Wozu
dies, daß du nach meinem Namen fragst? Und er segnete ihn dort.
V. 30 … Er segnete ihn dort, ist
doch jedenfalls eine räumliche Beschränkung. Es scheint daher: Eben dort ward
Jakob die segnende Anerkennung, wo er, an der Grenze, mit der Wiederkehr in das
jüdische Land der eigensten Entwicklung des jüdischen Geistes und der
abrahamitischen Bestimmung zuwandert. So winkt nicht durch kosmopolitisches
Aufgehen in die Völkerströmung seinen Sprösslingen die Anerkennung und der
Segen, sondern שם, gerade bei der vollendesten Einkehr in die scheinbar
isolierende Bestimmung, die der jüdische Boden für alle Zeiten trägt.
V.33 Darum
sollen Jissroéls Söhne nicht die Sehne der Schwäche essen, welche am Hüftballen
ist, bis auf diesen Tag; denn er hat an Jakobs Hüftballen an die Sehne der
Schwäche gegriffen.
V. 33 גיד הנשה wäre somit: die Sehne
der Unterordnung, der Widerstandslosigkeit, Machtlosigkeit, somit nicht die
anatomische, sonder die historische Beziehung der Spannader. Durch Losreißung
derselben hat Jakobs Gegner dem durch sie an das Bein gehefteten Hüftsmuskel
die Kraft genommen, das Bein zu regieren, diesen Verlust hat Jakob durch seinen
Gegner erlitten, in dieser Beziehung hat er ihm nicht Widerstand leisten
können. Die Sehne ist da, der Muskel ist da, aber der Gebrauch ist gehindert.
Jedoch nicht auf ewig. נשה ist ein nur zeitweiliges Aufgeben, kein
ewiger Verlust. Jakob ist ein נשה, hat einst eine große Rechnung mit שרו
של עשו
abzumachen. Wenn aber die Erinnerung an dieses Ereignis für alle Zeiten durch
das Genussverbot der Spannader unter Jakobs festgehalten werden soll, so kann
sicherlich nicht die Absicht sein, daß alle seine Nachkommen von der Tatsache
Kunde erhalten, es habe ihr Stammvater in Folge eines Ringkampfes gehinkt,
ebenso wenig wie das Chomezverbot uns nur darüber für alle Zeiten au fait
halten sollen, welches Brot unsere Väter bei ihrem Auszuge aus Egypten
gegessen. Beide Tatsachen sind an sich von so geringfügiger Bedeutung, daß
deren Verewigung durch ein göttliches Gesetz nur dann erforderlich wird, wenn
sich, wie es in der Tat ist, darin Wahrheiten von tiefeingreifenden Folgen für
unsere Gesamtbestimmung knüpfen, die eben durch ein solches Genussverbot ihren
Ausdruck und ihre ewige Neubelebung gewinnen sollen.
In einer solchen Bedeutsamkeit
haben auch die Weisen dieses Verbot aufgefasst, indem sie die Stelle: Jesajas
9,7 f.: „Ein Wort hat Gott einst an Jakob gesendet und es hat in Jissroél seine
Stelle gefunden, das soll das Volk ganz kennen lernen, Ephraim und Samariens
Bewohner, die so stolz und hochmütig sind zu sprechen: (eigentlich: in ihrem
Stolz und Hochmut sprechen): Ziegel sind gefallen, Quadern bauen wir auf,
Sykomoren sind gefällt, mit Zedern ersetzen wir. Und während Gott Rezins
Feinde u.s.w. kehrt das Volk doch nicht
zurück zu dem, der es in Wahrheit schlägt, und Gott Zebaoth haben sie in allem
dem nicht gesucht“, – also erklären: דבר שלך ד' ביעקב זה
גיד הנשה ונפל בישראל שפשט איסורו בכל ישראל (Chulin 91A). Das Wort, das Gott an
Jakob gesendet, auf welches der Prophet hier hinweist, ist das Spannaderverbot
(es war dies ein tatsächlich an Jakob gesendetes Wort), es hat in Jissroél seine
Stätte gefunden, d.h. das Verbot in Jissroél Platz gegriffen.
Nach allem diesen dürfte die
Bedeutung dieses Verbotes nicht zweifelhaft bleiben. Nicht zu besiegen und
nicht niederzuwerfen vermag Esaws Genius Jakow während des ganzen nächtlichen
Kampfes, wohl aber ihm die Sehnen zu durchschneiden, ihm an den Gebrauch seiner
natürlich ihm zustehenden materiellen Kräfte zu hindern. Hinkend nur, nicht auf
beiden Füssen stehend, ohne festen Stand und Gang auf Erden, schreitet Jakob
durch die Geschichte. Und
diese irdische Haltlosigkeit ist notwendig, um Esaw endlich die Augen zu öffnen.
Stünde Jakob gleich Esaw an der Spitze seiner vierhundert Reisigen, seine
Unbesiegbarkeit wäre nie der Gottesfinger in der Geschichte geworden. Darum
sollen auch die Söhne Jakobs, (der ja eben dadurch diese materielle Schwäche
und in ihr ‚Jissroél’, der Fingerzeig für die alle obsiegende Gottesmacht sein
soll), „diese Sehne der Unterordnung und materiellen Schwäche nicht essen“, es
soll ihnen, so oft sie sich an den Tisch setzen, aus dem Wanderbuch ihres
Lebens die Mahnung entgegentreten, daß sie auf diese Sehne, auf die Unterordnung
unter Esaw verfallende Kraft, heiter Verzicht leisten, sich mit ihrem Dasein und dessen
Erhaltung nicht auf sie hingewiesen, um etwa deshalb weniger geschützt und zum
Gange durch die Zeiten weniger gesichert fühlen sollen, weil sie nicht wie Esaw
mit dem Schwerte gerüstet, ja nicht einmal festen Schrittes auf Erden
auftreten. Für Jakob-Jissroél
liegt im anderem, höherem, nicht von Esaw zu schwächendem die Kraft. Wenn Jakob
fällt, fällt es nicht, weil es an materieller Macht Esaw nicht gleichkommt,
sondern weil es nicht verstanden, sich den Schutz seines Gottes zu erhalten.
Wenn Jissroél steht, steht es nicht, weil Gott eine feste materielle Stütze,
sondern weil sein Gott es auf Adlerflügeln seiner Allmacht trägt. Das
ist das Wort, dessen voller, ganzer Inhalt dem Volke zum Bewusstsein kommen
soll, das, wenn, es sich geschlagen sieht, die Ursache seiner Kalamität nicht
in Gott, sondern darin sucht, daß es sich bisher nicht hinreichend mit
materieller Schutzwehr vorgesehen, und statt durch Rückkehr zu Gott seine
Zukunft sichern, in nichtigem Selbstgefühl spricht: was von Ziegeln
zusammengefallen, bauen wir mit Quadern auf, Weiden konnte man umhauen, Zedern
wird man nicht! Vier göttliche Institutionen zählt das Buch בראשית: שבת und מלה, קשת und גיד הנשה was die ersten beiden für die
Gesamtmenschheit bedeuten, das sind die beiden letzten für den engeren Kreis. שבת sichert die geistig
sittliche Bestimmung der Menschheit, מילה Jissroéls. קשת ist das Wahrzeichen
für die Geschichte der Menschheit, גיד הנשה für die jüdische
Geschichte. Die vom Menschen werdende Geschick, diese beiden Seiten bilden aber
die Summe alles Einzeln- und Gesamtdaseins auf Erden.–
Kap. 33. V. 1 Jaakob erhob seine Augen und
sah, sie Esaw kommt – und mit ihm – vierhundert Mann. Da teilte er die Kinder
auf Lea, auf Rachel und auf die beiden Mägde.
Kap. 33 V
1: Er sah Esaw nicht
durch die Geschenke entwaffnet, er hatte seine Kriegsleute nicht entlassen, da
teilte er u.s.w. Wie die Weisen diese ganze Geschichte als Programm für unser
Verhalten Esaw und den anderen Mächten gegenüber betrachten, so lernen wir auch
hier, wenn uns auch die Zuversicht zu Gott und seinen Verheißungen erfüllt, doch immer das Unsrige zu tun
אין סומכין על הנס.
V.4 Da
lief ihm Esaw entgegen und umarmte ihn, warf sich an seinen Hals und küsste
ihn; und sie weinten.
V. 4
…Dieser Kuß und diese Tränen lassen uns auch in Esaw den Nachkommen Abrahams
erkennen. In Esaw kann nicht bloß der wilde Jäger gelegen haben, wie wäre er
sonst fähig geworden, ein Beherrscher der ganzen Entwicklung der Menschheit zu
werden. Das bloße Schwert, die bloße rohe Gewalt befähigt nicht dazu. Aber auch
Esaw legt nach und nach, und immer mehr der Humanität Raum, und zwar ist es
gerade Jakob, an dem Esaw zumeist Gelegenheit hat zu zeigen, daß und wie das
Prinzip der Humanität bei ihm zum Durchbruch zu kommen anfängt. Wenn der Starke
das Recht des Starken achtet, so mag es Klugheit sein. Erst wenn der Starke, wie hier Esaw, dem Schwachen
um den Hals fällt und das Schwert der Gewalt weithin von sich werft, erst dann zeigt sich, das Recht und Menschlichkeit in ihm zum
Siege kommen.
V.20 : Dort
errichtete er ein Altar zum Denkmal und verkündete sich: Gott ist Gott
Jissroéls.
V. 20… Die
Väter קראו בשם ד' riefen nach außen im Namen Gottes, riefen die Menschen im Namen
Gottes; riefen sie zu dem Bewusstsein, das Gott nicht nur der ist, der die Welt
vor Jahrtausenden erschaffen, sondern der ist, der noch Himmel und Erde trägt
und von dem noch unmittelbar jeder gegenwärtige und kommende Moment stammt. Was
aber Jakob mit diesem als מצבה errichteten מזבח verrichten wollte,
das hatte er nicht nach außen, das hatte er zunächst erst sich und den Seinen
zu verkünden: das אל, daß die Allmacht, von der alles stammt im
Himmel und auf Erden, daß sie אלקי ישראל sein und werden wolle, Jissroéls
Gesetzgeber, Richter und Gott, sichtbar nicht nur in Jissroéls Geschick,
sondern vor allem sichtbar in Jissroéls Tat. Ist ja dieser Gedanke bis auf den
heutigen Tag noch zunächst Erbteil der Jakobsfamilie geblieben und hat noch
erst seine Arbeit auch an uns zur vollen Verwirklichung zu bringen. „Glaube und
Hoffnung“, „Tröstung und Stärkung“, diese מצבה-Gedanken sind außer
dem jüdischen Kreise das, was vor allem von der Religion, von der Beziehung der
Menschen zu Gott erwartet wird, und feiert diese daher vorzüglich ihre Siege
als Retterin des Menschen im Schiffbruch des Geschickes. Aber die volle
Unterwerfung des ganzen vollkräftigen Lebens unter den göttlichen Willen die
Pflegung des Gesetzes als des alleinigen „Baume des Lebens“ für den einzelnen
wie die Gesamtheit, die volle und ganze Beherrschung des Lebens in allen
Beziehungen und Fugen durch die geoffenbarte Norm des göttlichen Willens, kurz,
das Gesetz und der ihm entsprechende freie, freudige Gehorsam, die Gestaltung
des ganzen Menschenlebens zu einem Denkmal der Gottesoffenbarung, das ist
annoch der von Jakobs Haus allein gepflegte Schatz, und erst am Ende der Tage
werden die Völker sprechen: יורנו מדרכיו ונלכה בארחתיו –
Kap.35
V.11: Gott
sprach zu ihm: Ich bin Gott, der Allgenügende, werde fruchtbar und
vervielfältige dich; ein Volk, und zwar eine Versammlung von Völkern, soll von
dir werden; Könige sollen deinen Lenden, stammen,
Kap. 35,
V. 11 גוי וקהל גוים: das Volk, das von Volk, das von ihm stammen wird, soll nach
außen eine Einheit und nach innen eine einheitlich gesammelte Vielheit werden.
Jeder Stamm soll eine gesonderte Volksindividualität repräsentieren. Das
Jakobsvolk, das als „Jissroél“ die alles irdisch Menschliche siegreich
durchdringende und gestaltende Gotteskraft den Völkern offenbaren soll, soll
darum nicht eine einseitige Erscheinung bieten, sondern als Mustervolk in nuce
die verschiedensten Völkererscheinungen darstellen. Es soll in seinen Stämmen
das Kriegervolk wie das Handelsvolk, das Volk des Ackerbaus, wie das der
Wissenschaften u.s.w. zur Darstellung bringen, auf daß die Wahrheit durch die
Welt hin leuchte, daß die Hingebung und Heiligung des Menschenlebens im
Gottesbunde seines Gesetzes durch keine besondere Berufsstellung und
Völkereigentümlichkeit bedingt, sondern die ganze Menschheit in aller ihrer
Mannigfaltigkeit bedingt, sondern die ganze Menschheit in aller ihrer
Mannigfaltigkeit berufen sei, en von JJissroél gelehrten einen einheitlichen
Gottesgeist in sich aufzunehmen und die ganze Mannigfaltigkeit der Menschen-
und Völkerindividualitäten zu einem einheitlichen Gottesreiche zu gestalten. Da
dürfte denn auch das ולזרעך אחריך אתן את הארץ mit dem Siporno
heißen: und deinem dir nachfolgendem
Samen werde ich einst die Erde geben – wie וצדיקים יירשו ארץ – es wird ihnen und
dem von ihnen in treuer Nachfolge bewahrten
geistigen und sittlichen Vermächtnis dereinst die ganze Erde zufallen (Jes. 2,3)