donderdag 13 augustus 2026

Rabbiner Dr. Salomon BREUER „Belehrung und Mahnung“ Schaufetim


Rabbiner Dr. Salomon BREUER

                (1850 – 1926)

 

שפטים

 

Belehrung und Mahnung zur Wochenabschnitt

SCHAUFETIM

(Auszug) 

* Diese Abschiedsrede (gehalten im Jahre 5656/1896, in der Absicht, das Rabbinat der Schiffschul-Gemeinde in Wien überzunehmen) empfing 30Jahre später den Charakter eines ergreifenden Vermächtnisses und würde aus diesem Grunde dieser Sammlung eingereiht.

Und nun  scheide ich von Ihnen, meinen Brüdern und Schwestern, scheide von dieser Gemeinde, die mich der großen Ehre gewürdigt hat, Gesetzeslehrer in ihrer Mitte zu sein – aber in diesem Scheiden liegt nichts ungewöhnliches. Der einzelne, und mag der der Bedeutendste sein, unterliegt im Leben der Gemeinde dem Wechsel und der Vergänglichkeit, nur die Gemeinde als solche kennt den Tod nicht und spottet der Vergänglichkeit. Als daher Mosche von seinem Volke Abschied nahm, richtete er, nach den Worten der Weisen, die Aufmerksamkeit seines Volkes auf die Vergänglichkeit der Führer und die Unvergänglichkeit der Gesamtheit: אתם נצבים Ihr seid die Bleibenden! עשאן מצבה er machte sie zum Zeiten überdauernden Denkmal des Gottesgesetzes auf Erden. Und wie Mosche, so handelten Jehoschua und Schemuel, als sie von ihrem Volke Abschied nahmen. – Auf den Führer, und mag er selbst ein Mosche sein, kann auf die Dauer nicht gerechnet werden, die Gemeinde ist die מצבה, die allen Wechsel überdauert. Weil aber bei jedem Wechsel des Führers in der Gemeinde gar leicht die Gefahr eines Prinzipienwechsels droht, hat gerade in solchen Zeiten die Gemeinde als  מצבהsich zu bewähren, die mit eiserner, unerschütterlicher Festigkeit allen Gefahren zu begegnen und nicht zu ruhen hat, bis ihr der Führer geworden, in dessen Hände sie vertrauensvoll ihre heiligsten Güter legen kann.

אתם נצבים rufe ich auch Ihnen, meine Brüder und Schwestern, zu! Oh, daß ich die Kraft hätte, Sie allen mit dem großen Bewußtsein der heiligen Aufgaben und Pflichten zu erfüllen, die Ihrer nunmehr harren, daß Sie als מצבה sich bewähren möchten, um mit eisernen, unerschütterlichen Festigkeit die heiligen Güter zu schützen, deren Hut Ihnen anvertraut ist! Mehr als irgend einer Gemeinde erwächst unsere Kehilla die teuerste, heiligste Pflicht, als מצבה sich zu bewähren.

השביעני במרורים הרוני לענה klagt der Prophet: „Er hat mit Bitterkeit mich gesättigt, mich getränkt mit Wermut“ (Echa 3,15) ממה שהשביעני במרורים בלילי פסח הרוני לענה בליל ט"ב kommentieren die Weisen: die Moraursättigung der Peßachnacht hat mir Wermut gegeben in der Nacht des Tischo-B’aw. – Der Gedanke dürfte folgender sein. Der Verlust eines über Nacht, mühelos gewonnenen Schatzes schmerzt lange nicht so sehr wie der Verlust eines Schatzes, den man durch die Kraft und Mühe errungen hat; diesen verlieren zu müssen, für dessen Erwerb keine Mühe zu groß war und keine Sorgen erspart blieb, schmerzt bis tief in der Seele. Das gilt auch für den Verlust unserer staatlichen Selbständigkeit und unsrer Heiligtümer, die wir jährlich am Tischo-B’aw beweinen. Wie schwer war doch der Leidensweg, auf dem wir sie errungen: וימררו את חייהם das Moraur der Sederabende erzählt von dem bitteren Leidensweg des mizrischen Galuth, auf dem wir zum Volke wurden und dadurch in den Besitz der heiligsten Güter gelangten. Umso größer der Schmerz, nun trotzdem das alles eingebüßt zu haben: השביעני במרורים הרוני לענה das Moraur der Sederabende hat uns die Bitterkeit der Tischo-B’aw-Nacht nur noch erhöht! –

Unter schweren und bitteren Kämpfen, unter Moraur-Sättigung sondergleichen ist der Boden erstritten worden, auf dem unsere Kehilla unter Gottes Hilfe sich erhebt, unter unendlichen Kämpfen, mit מסירת הנפש sind die Güter errungen worden, die unsere Kehilla zum Segen gereichten und ihr die Geltung in der großen jüdischen Welt bereiteten. Unsagbar bitter, ja äußerst schmerzlich wäre es, wenn man sich sagen müßte, daß von allen diesen herrlichen Gütern auch nur eines verloren gehen oder gar die Grundlage, auf der unsere Kehilla sich erhebt, ins Schwanken geraten und dem verhängnisvollen פוסח על שתי הסעפים Platz machen könnte!

אתם נצבים, עשאן מצבה Siehe aber, dessen bin ich gewiß,  werden sie als unvergängliche, nicht zu erschütternde מצבה erweisen, werden sich mit aller Kraft dafür einsetzen, aß das heiligste Gut Ihrer Kehilla, das heiligste, köstliche Vermächtnis Ihrer Väter ע"ה unversehrt einst auch Ihren Kindern überantwortet werde, auf daß Sie, wenn Sie einst nach einem langen, gesegneten Leben der Pflicht von Gott heimgerufen werden zu Ihren Vätern, von ihnen als ihre Kindern Kinder ihres Geistes und Wollens, erkannt werden. – Dann wird es Ihnen auch gelingen die Aufgabe zu lösen, die Ihrer harrt und deren Lösung zu keiner Zeit leicht war, die selbst einem Mosche schwerste Sorge bereitete, יפקד ה' אלקי הרוחת לכל בדר איש על העדה daß Sie mit Gott dieser Gemeine einen Mann, Heiligtümer anvertrauen kann, der mit der Helle seines Geistes, mit der Größe seines Wissens und der Festigkeit seines Willens das fortsetze und vollende, was zu verwirklichen meiner schwachen Kraft nicht beschieden war.

So scheide ich denn von Ihnen, meine Brüder und Schwestern, scheide von dem Amte, an dem ich mit jeder Faser meines Herzens hing, scheide von der Gemeinde, deren Wohl und Wehe Gegenstand meiner ängstlichsten Sorge war: Dank der verehrlichen Verwaltung unserer Gemeinde für das Vertrauen, das sie mir entgegenbrachte, Dank den verschiedenen Kommissionen, vor allem der Jeschiwa-Kommission, den Männern und Frauen, die der Förderung des למוד התורה verständnisvoll ihre Kraft geliehen, unterstützen, Dank allen Freunden, die mich in meinem heiligen Amt tatkräftig unterstützten, Dank meinen etwaigen Gegnern, die mich in meiner Überzeugungstreue nur bestärkten und den Beweis mir gaben, daß ich den rechten Weg gegangen. – Mit dem Gefühle unaussprechlicher Ergriffenheit nehme ich Abschied von dieser heiligen Stätte, Abschied von allen Brüdern und Schwestern, den anwesenden und abwesenden, die als Glieder unserer Kehilla sich begreifen. – Und wenn Sie meiner nicht ganz vergessen möchten, dann haben Sie Nachsicht mit einem schwachen Menschen, der gar vieles gewollt und erstrebt und doch nicht alles verwirklichen konnte, der aber mit dem beglückenden Bewußtsein scheiden durfte, das Seine voll und ganz getan zu haben. –

ה' אלקי אבותכם יסף עליכם ככם אלף פעמים ויברך אתכם Gott segne euch alle, alle, gebe euch Kraft und Mut und Ausdauer, daß ein jeder von euch freudig auf dem Posten ausharre und seine Pflicht erfülle, die Gott von ihm erwartet. Dient aber euer Leben und das Leben eurer Kinder den heilig großen Zielen, die ה' צבאות seinem Volke gesteckt, dann dürft ihr voll Vertrauen euch der Führung eures Gottes hingeben nach der Prophetenbotschaft unserer heutigen Haftora: „Nicht in Eile braucht ihr hinauszuziehen, nicht in fluchtähnlicher Hast dahinzugehen, denn es wandelt vor euch Gott, und der eure Nachhut bildet, ist Gott Jissroéls“ כי לא בחפזון תצאו ובמנוסה לא תלכון כי הלך לפניכם ה' ומאספכם אמןאלקי ישראל

Quelle: Rabbiner Dr. Salomon BREUER  Belehrung und Mahnung fünfter Teil Deuteronomium  J. Kauffmann Verlag Frankfurt am Main 1936 S.30-39

Rabbiner Dr. Mendel HIRSCH Haftora des Wochenabschnittes Schaufetim

 


 Rabbiner Dr. Mendel HIRSCH

              (1833 – 1900)

 

הפטרת פרשת שפטים 

 

   Aus dem Kommentar zur Haftoro des Wochenabschnittes SCHAUFETIM

(Auszüge)

 

… …

V.14 צעה und מהר sind Gegensätze. Jissroél, das scheinbar zurückbleibende, nicht „rasch vorwärtskommende“, geht schließlich noch am frühesten seine Erlösung entgegen; über alle ihm bereiteten Fallen, Gruben und Gefahren, das ist שחת, hebt sein Gott es hinweg, und Er trägt auch Sorge dafür, daß: ,לא יחסר לחמו daß es auch vor der Erreichung des Zieles nicht zu darben braucht.

 V.15 Jedoch nicht bedingungslos ist diese Verheißung. In dem Hinweis „dein Gott“ liegt die ernsteste Mahnung zur Rückkehr in allem, wo gefehlt wurde. Nur wo diese Bedingung erfüllt wird, ist kein Grund zum Zagen. Gott hat die Geschicke noch im letzten Augenblick in seiner Gewalt. Wenn du dich seiner Gnade würdig machst, so „gebietet erden Wogen des Verderbens Einhalt noch in dem Augenblicke, da sie über dich zusammenzubrechen drohen“ – denn: „ה' צבאות ist sein Name.“  Hier in doppelter Beziehung zu fassen: alle Wesen, auch die in seinem Dienste dich gefährdenden, gehorchen ihm, und: nur derjenige darf auf ihn hoffen, der sich in Wahrheit in seinen Dienst stellt.

 V.16. ואשים דברי בפיך וגו'. Da Gott Jissroél zum Träger Seiner Worte machte, es an die Menschheit sandte mit jener Lehre von der Gotteskindschaft aller Menschen, unabhängig von Rasse und Religion, von der gegen sie ausnahmslos zu übenden Gerechtigkeit und Liebe als höchster Liebespflicht, mit der Lehre von dem Einen Gotte, der seine Menschenkinder weder in Schlamme der Unsittlichkeit noch in der Verherrlichung der Gewalt vergossenen Strömen Blutes zu Grunde gehen lassen will – : da wußte Er, daß sein Volk mit dieser Lehre inmitten einer Gewalt vergötternden Völkermenge auf erbitterten Haß und fortgesetzte Anfeindung gefaßt sein müsse. Sollte es doch den Maßstab des Sittlich-Guten und Wahren überall da anlegen, wo sonst nur die Nützlichkeit, das Interesse entschied und entscheidet und vor allem der Erfolg angebetet wird. Deshalb heißt es hier: da ich dich mit einer die Gefahren so geradezu herausfordenden  Sendung hinaussandte, da hatte ich dich bereits von vornherein mit dem ganz besonderen Schutze meiner Waltung ausgestattet. Habe ich dich doch bestimmt 

לנטוע שמים וליסוד ארץ! In diesen vier Worten ist der ganze Inhalt des Judentums zusammengefaßt. Überall sonst sind in den Religionsvorstellungen der Menschen Himmel und Erde; Himmliches und Irdisches, Göttliches und Menschliches, Geistiges und Weltliches unversöhnliche Gegensätze. Wer den Himmel will, muß die Erde aufgeben. Das Diesseits ist der Feind des Jenseits, und ebenso umgekehrt. Als Inhalt des Judentums wird demgegenüber hier gelehrt: Nicht ein feindlicher Gegensatz besteht zwischen  dem Himmlischen und den Irdischen, des Zeitlichen und mit dem Ewigen, liegt des Menschen Heil. Den Himmel auf Erden bringen will das Gottesgesetz. Nicht Weltflucht sondern Aneignung, Gewinnung der Welt für das Göttliche ist sein Grundgedanke. Diese „Pflanzung des Himmlischen in den Boden des Irdischen“ bewirkt aber keine Verkümmerung des Irdischen, vielmehr gewinnt diese erst dadurch Festigkeit und Dauer. So pflanzen alle die Gesetze der Gerechtigkeit und der Nächstenliebe die göttlichen Saaten des Heiles in den Boden der großen und kleinen Welt, die die Beziehungen des Menschen zum Menschen in ihrer unendlichen Mannigfaltigkeit darstellen. Und erst durch das Aufgehen dieser Saaten gewinnen diese sonst ewig schwanken Verhältnisse ihre eigentliche „Grundlage“, יסוד, als die Bedingung ihrer Festigkeit und Dauer. Ebenso wird durch jede Verwendung irdischer Habe zur Förderung von Menschenglück und Menschenwohlfahrt das Irdische selbst als Hülle und Werkzeug des Geistes gehoben und der sinnliche Genuß selbst dem Bereiche des Tierlebens enthoben und menschlich geadelt und geweihet. Nicht Ertötung und nicht Entfesselung, sondern Beherrschung der Sinnlichkeit ist das Ziel dieser Gesetze. Denn ein Doppelwesen, ein göttlicher Funke in irdischer Hülle, ist der Mensch. Erst die harmonische Gestaltung des Lebens, die beiden Seitengerecht wird, schafft den Frieden, den jeder widernatürliche Zwang vergebens erstrebt. – –  (Jes. 26,3)

ולאמור לציון עמי אתה. Denn Gott will das ganze Leben, nicht bloß eine Seite desselben. Denn nicht eine „Religionsgemeinschaft“, bei der bloß die Momente des im engeren Sinne so genannten „gottesdienstlichen“ Lebens nach besonderen Normen bestimmt werden, sondern: „mein Volk bist du“ – ein Volk, das in ausnahmslos allen Beziehungen des Einzeln- wie des Gesamtheits-, des „bürgerlichen“ wie des „religiösen“ Lebens das Gepräge der Gotteshörigkeit trägt. – Es ist das die einfache Konsequenz des eben ausgeführten Satzes vom „Pflanzen des Himmlischen in den Kreis des Irdischen“.

… …

Kap.52. V. 11 und 12 lenken wieder den Blick auf den großen Weg zurück, der zu diesem Ziele führt und auf die besonderen Aufgaben, die er Jissroél bringt. Die erste dieser Aufgaben heißt: סורו וגו' sich zurückhalten, fern halten, damit es nicht angesteckt werde von der sittlichen Rohheit seiner Umgebungen. Allem Edlen und Guten seiner Menschenbrüder innig zugewandt; in dem es ja so oft so glücklich ist nur die aufgegangenen Blüten der von ihm gebrachten Saaten zu begrüßen, soll es stets der Sorge eingedenk bleiben: טמא אל תגעו, sich durch kein Beispiel verführen zu lassen: „das Unreine berühret nicht!“ –

Der zweite große Mahnruf lautet: Denkt an eure Lauterkeit! Haltet euch lauter! Ihr seid Träger des Werkzeugs Gottes! Jedem Juden wird es damit aufs eindringlichste als ernsteste Pflicht ausgesprochen, sich selbst den strengsten Richter zu sein. Er kann sich vor seinem Gotte nie damit entschuldigen, andere seien in der Hochhaltung der Gewissenhaftigkeit in den Beziehungen zwischen Mensch und Mensch, in der Übung der Pflichten der Rechtschaffenheit und Nächstenliebe auch nicht besser. Gesteigerte, nicht geminderte Pflichttreue fordert der jüdische Beruf. Nicht bloß äußere Legalität, Loyalität fordert das Judentum. Nicht mit knapper strenger Innehaltung  der scharfen Linien äußerer Gesetzlichkeit darf er sich begnügen. Das wackere Tatenleben soll der Ausfluß einer edlen, lauteren Gesinnung sein, wie sich nach dem Worte der Thora der Gottesliebe entspringt.  Dieses hohe Gefühl seiner Verantwortung als Menschheitspriester soll den Juden nie verlassen, er ist ja „Träger göttlichen Werkzeugs“. Diese כלי ה', „Werkzeug Gottes“ sind die Pflichten, die er zu üben, die Lehren, mit denen er sich zu durchdringen hat. Würde sein Leben mit die Pflichten, die er zu üben,  mit dieser Pflichtübung und diesen Lehren nicht im Einklang stehen, würde er die unbestechliche Geradheit, jene Rechtschaffenheit und Biederkeit, jene Nächstenliebe, zu denen ihm sein Judentum erziehen will, nicht im praktischen Leben ausnahmslos seinem jüdischen wie seinem nichtjüdischen Menschenbruder gegenüber bewähren, so würde er ja dieses „Werkzeug Gottes“ entehren, er würde dieses Werkzeug, mit dem er die Menschheit Gott zurückgewinnen soll, selbst jeder Kraft berauben, das lebendige Gotteswort würde „durch seine Hand“, d.h. durch sein Tatenleben, wie das Gotteswort es nennt „zur Leiche!“. Daher kommt es, aß nach jüdischer Anschauung eine gegen einen Nichtjuden geübte Unrechtfertigkeit vor Gott vor Gott noch  schwerer wiegt als die gegen einen Juden geübte.

 (Die Haftoroth übersetzt und erläutert, Frankfurt am Main 1896: S. 11-13  Kommentar zu Jesajas Kap. 51 V.12…) 

Rabbiner Dr. Salomon BREUER Der Elul-Schaufor


 Rabbiner Dr. Salomon BREUER

                (1850 – 1926)

 

Der Elul- Schaufor

 

(Auszug aus Belehrung und Mahnung zur Wochenabschnitt EKEW  עקב

Die dargebotene Predigt datiert aus August 1914, beim Ausbruch des Ersten Weltkrieges)

 

הכל מוכן לעשות תשובה Gott wartet, dass wir den Weg zu ihm zurückfinden. Meine Brüder und Schwestern! Die erschütternden Ereignisse der letzten Wochen sind dem Elul-Monat, den der heutige Sabbath verkündet, vorausgeeilt: In den Gottesschofar des Krieges, unter dem eine Welt erbebt, tönt der Schaufor des heraufziehenden Elul-Monats. Wehe uns, wehe dem Menschenkreise, den „Gott aus Mizrajim emporgeführt“ und der seitdem berufen ist, in allen historischen Ereignissen die geheimnisvoll schaffende Waltung Gottes zu erblicken und auch in allem Weh und Leid die gerecht erziehende Gottesfügung zu verehren, wehe uns, wenn selbst in solcher Zeit; wie wir sie erleben, der Prophet (Amos 3) ankämpfen muß wider den verhängnisvollen traurigen Wahn, der Zufall nur sieht, wo jedes sehende Auge das Schreiten Gottes durch die Geschichte bebend erschaut! אם יתקע שופר בעיר ועם לא יחרדו, אם תהיה רעה בעיר וה' לא עשה „Es erschallt der Schaufor in der Stadt, und as Volk hätte nicht zu erbeben? Unglück kommt über die Stadt, und da hätte nicht Gott es bereitet?“ – 

Meine Brüder uns Schwestern! אם יתקע שופר בעיר Mit erhöhter Eindringlichkeit ergeht der Weckruf des Elul-Schaufors an jede empfängliche jüdische Seele, denn unendliches Weh ist ihm bereits vorangegangen. Nur die wahrhafte Beherzigung des Elul-Schaufors vermag uns die Kraft zu geben, daß wir nicht unter der Schwere des Leides erliegen, das Gottes gerechte Waltung uns zu tragen gegeben. Laßt uns ankämpfen wider das Leid, das durch die Welt zieht ותשובה ותפילה וצדקה מעבירין את רוע הגזרה Nur in der aufrichtigen Rückkehr zu Gott liegt unsere Rettung; aus den unerschöpflichen Kraftquellen der Gebete, zu denen unsere Gotteshäuser uns laden, strömt uns alleinige Aufrichtung und wahrhafter Trost; in Werken allumfassender Menschenliebe, zu denen die Not und das Elend, die Sorge und die Verzweiflung jedes abrahamitisches Herz aufrufen, winkt uns die Möglichkeit, vor aller Welt zu zeigen, daß wir den jüdischen Namen mit Ehren tragen. Wenn uns der Elul-Schaufor in dieser leidensschweren Zeit nicht vergebens ruft, wahrzumachen, was das עקב תשמעון von uns allen fordert, dann haben wir das Recht, der Prophetenbotschaft unserer heutigen Haftora (Jes. 50,10) zu vertrauen, eine Botschaft, dessen ewigen Wahrheit sich dann auch an uns erfüllen wird: מי בכם ירא ה' שמע בקול עבדו אשר הלך חשכים ואין נגה לו יבטח בשם ה' וישען באלקיו „Wer unter euch Gott fürchtet, hört auf die Stimme seines Dieners, und wandelte er auch in Finsternis, ohne daß ein Lichtstrahl ihm wäre – er vertraue auf Gottes Namen und stütze sich auf seinen Gott“ (ילקוט מכירי) מי היה בצרה וקראני ולא עניתיו, מי היה בחשכה ולא הארתי לו. Wir werden jene Botschaft in dem Sinne erleben, wie sie unsere Weisen uns gedeutet: „Wer wäre je in der Not gewesen und hätte zu Gott gerufen, ohne daß er Erhörung gefunden, wer in Finsternis, ohne daß Gott ihm geleuchtet hätte?“ – Diese Hilfe inmitten aller Not und Leidensschwere, dieses Licht inmitten tiefster Nacht – Gott ist bereit, seinen Beistand denen zu leihen, die sich sehnen nach der Stärke, die von seiner Thora ausgeht, sich sehnen nach dem Frieden, den sie allein unserem Leben zu spenden vermag ה' עוז לעמו יתן ה' יברך את עמו בשלום.

 

Quelle: Rabbiner Dr. Salomon BREUER  Belehrung und Mahnung fünfter Teil Deuteronomium  J. Kauffmann Verlag Frankfurt am Main 1936 S. 16-23

woensdag 5 augustus 2026

Raumer und Schwarz „Palästina“

 Raumer und Schwarz „Palästina“

 



 

Bibliographischer Hinweis

 

„Das Heilige Land, nach seiner ehemaligen und jetzigen geographischen Beschaffenheit, nebst kritischen Blicken in das Carl v. Raumer’sche "Palästina", von Joseph Schwarz; Deutsch bearbeitet von Israel Schwarz. Frankfurt: J. Kauffmann 1852.

 

Erwähnt von Rabbiner Samson Raphael HIRSCH in seinem Commentar zur Wochenabschnitt Reéh 11,29:

„…Siehe Raumer und Schwarz Palästina“.

donderdag 30 juli 2026

Yakov M. RABKIN Israel in Crisis: A Threat from Within



Israel in Crisis: A Threat from Within

 28.07.26 - Yakov M. Rabkin

 This post is also available in: French

If the state sends people, soldiers, for the honor of the state, and they kill people, is that permissible? It is plain murder. They [the government] incite murder. This is what they do. They wage wars not to save lives, but only for the honor of the state. Certainly, this is not new. So, is this permitted? Just to raise the status of the state or something else?”

These are not the words of a left-wing anti-Israeli activist from an Ivy League campus. They were spoken on July 19, 2026, by the 96-year-old Rabbi Dov Lando, a senior member of the Council of Torah Sages in Israel. The Council represents Haredi Jews, or Haredim, strictly observant Jews who number one and a half million in Israel alone and are often referred to in the media as “ultra-Orthodox.” Haredi men are visually distinguishable by a two-color dress code, black and white. Constituting about one-sixth of Israel’s Jewish population, Haredim exhibit the highest demographic growth (4 percent). They are young, and nearly one-third of all Jewish school entrants in Israel are Haredim. They have their own independent school system and live largely apart from Israel’s mainstream.

It is this determination to live apart, rather than ideological pacifism, that explains their resistance to conscription. The few Haredim who did join the army in specially created segregated units have acted no less brutally than the average IDF soldier. In his denunciation, Rabbi Lando used the word retsah for murder, the same root as that uttered in the prohibition “Thou shalt not kill” in the Ten Commandments. This choice of language made his accusation particularly grievous.

Indeed, there is little new in his denunciation. Haredi rabbis have long disparaged the Zionist project, particularly its violent character. Unlike many Jewish and Christian Zionists, they do not view the Israeli state as a realization of a biblical prophecy, nor as implying the commandment to occupy the Holy Land. According to one Haredi parliamentarian:

The Zionists are wrong. There is no need to foster love of the land of Israel by political and military rule in the entire land. One can love Hebron even from Tel Aviv … even if it is under Palestinian rule. The state of Israel is not a value. Only matters of spirituality belong to the family of “values.”

Most Haredim reject Zionism, whether secular or religious, do not observe Independence Day or any other official holiday, and avoid contact with the secular majority. Their sons do not serve in the Israeli army, and their daughters do not perform the obligatory alternative service at all; many do not come to a standstill when, every year, sirens summon the population to observe two minutes of silence in commemoration of the soldiers who died for the state of Israel. The chronic violence that the Zionist settlement has engendered for more than a century would, in their view, be ongoing punishment for the violation of the Talmudic oaths prohibiting forceful conquest of the Holy Land.

The context of Rabbi Lando’s vehement denunciation speaks as strongly as his words. The Haredim have been fighting for years to maintain the privilege of being exempt from military service, which is obligatory for both men and women in Israel. This privilege was accorded in order to appease the Haredi opposition to the unilateral declaration of the Zionist state, which occurred in May 1948.

That deal has long been invalidated by Israel’s Supreme Court. A long legislative battle over the issue is on, accompanied by vigorous, sometimes violent, street protests by thousands of Haredi Jews. They break into military facilities and, on at least one occasion, besieged the home of a Supreme Court judge.

As a result of coalition politics, the Knesset passed earlier this month a Basic Law declaring Torah study a “foundational value” of the Jewish people. This enshrines a traditional Jewish value as a law of the country. Israel does not have a constitution—another concession to the Haredi community—and Basic Laws have a quasi-constitutional status.

Another law, passed earlier in the summer of 2026, grants tens of thousands of Haredi draft dodgers temporary immunity from arrest. It also suspends ongoing criminal proceedings against those already facing enforcement measures. The High Court froze implementation of that law a day later and scheduled a hearing on the matter. The battle continues.

Another news item concerning the Haredim sheds light on their alienation. The state mobilized Haredi influencers and rabbis to warn Haredi Jews against collaboration with Iran’s intelligence. Israel and the United States have repeatedly attacked Iran since summer 2025, and there have been reports of Haredi Jews among the scores of Israelis arrested for espionage in favour of Iran.

All this explains growing animosity towards the Haredim in the Israeli mainstream. Many secular Israelis feel squeezed between two growing threats—the Palestinians on the one hand and the Haredim on the other. Israel keeps fighting on seven fronts, and military leaders deplore a dire scarcity of soldiers. While obligatory military service has been prolonged to nearly three years, over 80,000 Haredim refuse even to register at the recruitment offices. Many mainstream Israelis have long experienced the loss of sons and daughters, and they naturally resent the exemption for the Haredim.

The current cycle of violence has pushed tens of thousands of Israelis, tired of regular bouts of reserve duty, to emigrate to Europe and the United States. These are usually younger and better educated, precisely those who ensure Israel’s technological dominance in the region. The Haredim also threaten to leave if the state drafts them into the military. But even if they remain, their low level of scientific and technological education cannot meet the needs of Israel’s high-tech industries. The Haredim’s principled alienation is one of the most serious internal problems undermining the Zionist state as it faces growing hostility from the outside. Israelis would do well to ponder the words of the Roman historian Livy (Titus Livius):“We can neither endure our vices nor face the remedies needed to cure them.”

Yakov M. Rabkin is the author of hundreds of articles and several books on the subject, including What is Modern Israel?,Israel in Palestine, and Zionism Decoded in 101 Quotes. He is a founding member of the Independent Jewish Voices.

Yakov M. Rabkin
Yakov M. Rabkin is Professor Emeritus of History at the Université of Montréal and a founding member of Independent Jewish Voices (Canada). His publications include over 300 articles and a few books:
Zionism Decoded in 101 Quotes, Israel in Palestine: Jewish Rejection of Zionism, What is Modern Israel?, A Threat from Within: a Century of Jewish Opposition to Zionism, Demodernization: A Future in the Past, Science between the Superpowers and Judaïsme, islam et modernité. He did consulting work for, inter alia, OECD, NATO, UNESCO and the World Bank. E-mail: yakov.rabkin@umontreal.ca. Website: www.yakovrabkin.ca


zondag 26 juli 2026

TORAH JEWS Unbroken Chain


 The Unbroken Chain:

From the First Zionist Congress in 1897 to the present — the chronology of Torah leaders who rejected the project, in their own time, from within their own tradition.

1897

The First Zionist Congress, Basel

Orthodox rabbis across Europe — Galicia, Hungary, Lithuania — publicly reject the political program from its first day.

1917

The Balfour Declaration

Britain promises a national home for the Jewish people in Palestine — but not a Jewish state.

1924

The Eidah Chareidis is founded

Established to unite the Orthodox Jews of the Holy Land against the Zionists and their Chief Rabbinate.

1937

The Peel Commission proposes a Jewish state

At the Agudath Israel convention, Rabbi Aaron Kotler and Rabbi Elchonon Wasserman declare that any such state would be a denial of the Jewish belief in the messiah.

Agudath Israel convention

1946

The Anglo-American Committee reports

Recommending that Palestine be neither a Jewish nor an Arab state, Rabbi Michael Ber Weissmandl urges Zionists to accept the compromise.

R’ Michael Ber Weissmandl

1947

The UN votes for partition

As the conflict escalates, the Brisker Rav works to prevent the declaration of a state.

R’ Yitzchok Zev Soloveitchik, the Brisker Rav

1948

Zionists declare independence

The declaration triggers a war in which thousands of Jews and Arabs lose their lives.

1959

Vayoel Moshe is published

The Satmar Rebbe’s three-treatise work becomes the classic text on the Torah approach to Zionism.

R’ Yoel Teitelbaum, the Satmar Rebbe

1967

After the Six-Day War

The Satmar Rebbe answers claims of divine redemption with his book Al HaGeulah V’Al HaTemurah.

R’ Yoel Teitelbaum, the Satmar Rebbe

1977

The state offers its support

Under Menachem Begin, the Israeli government begins offering tempting funding to religious schools — even non-Zionist ones that teach only Torah.

1979

Keren Hatzoloh is founded

Anti-Zionist communities establish a rescue fund to sustain the schools that refuse government money.

2003

Torah Jews is established

The Satmar community asks Rabbi Moshe Dovid Katz to carry the Rebbe’s voice into the age of mass media.

Natruna · Torah Jews

We said this before the state existed. We are saying it today: Not in our name — not now, not ever.

Rabbiner Dr. Salomon BREUER „Belehrung und Mahnung“ Schaufetim

Rabbiner Dr. Salomon BREUER                 (1850 – 1926)   שפטים   Belehrung und Mahnung zur Wochenabschnitt SCHAUFETIM (Ausz...