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vrijdag 3 oktober 2025

Rosenheim, Jakob (Rainer Frost, Frankfurter Personenlexikon)

 Rosenheim, Jakob. Verleger. Jüdischer Religionsgelehrter. * 9.11.1870 Ffm., † 3.11.1965 Jerusalem.

R. stammte aus einer jüdischen Kaufmannsfamilie.
Besuch der Realschule der von
Samson Raphael Hirsch begründeten Israelitischen Religionsgesellschaft. Anschließend ab 1886 Banklehre. Seit 1894 Volontariat bei der Ffter Verlags- und Sortimentsbuchhandlung „Carl Jügel Nachfolger“. 1895 Gründung des Verlags „J. Rosenheim“ in der Königswarterstraße, später in der Großen Eschenheimer Straße. Seit 1906 gab R. die ursprünglich in Mainz erschienene Zeitschrift „Der Israelit“ in seinem eigenen Verlag heraus.
Seit 1908 strebte R. die Gründung einer Weltorganisation des orthodoxen Judentums an. 1912 gehörte er zu den Begründern der in Kattowitz ins Leben gerufenen „Agudath Israel“. Diese Organisation der Weltorthodoxie hatte für einige Jahre ihr Zentralbüro in Ffm. Von 1929 bis zu seinem Tod war R. Präsident von „Agudath Israel“.
R. nahm regen Anteil am jüdischen kulturellen und religiösen Leben in Ffm. Seit 1915 war er Erster Vorsitzender der Israelitischen Religionsgesellschaft und gehörte gleichzeitig dem Schulrat der Realschule der Gesellschaft an. Als Vorsitzender bestimmte er maßgeblich den geistigen Kurs der Israelitischen Religionsgesellschaft in der Auseinandersetzung mit der Ffter Israelitischen Gemeinde und deren konservativem Flügel. Er war Vorstandsmitglied der Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums und war für das jüdische Volksschrift-Verlagswesen tätig. Mitbegründer des orthodoxen Beth-Jakob-Schulsystems.
R. emigrierte 1935 nach England, 1941 in die USA. Seit 1949 lebte er in Israel.
Zahlreiche Abhandlungen im „Israelit“, u. a. „Beiträge zur Orientierung im jüdischen Geistesleben der Gegenwart“ (1920) und „Abrahamitisches und mosaisches Judentum“ (1924).
Verfasste Erinnerungen an die Jahre 1870 bis 1920 (hg. v. Heinrich Eisemann und Herbert N. Kruskal, 1970).
Als prägender Persönlichkeit des Judentums wurde R., der sich mehr und mehr dem Zionismus annäherte, 1929 der Ehrentitel „Morenu Harav“ (unser Lehrer, der Rabbi) verliehen.


Artikel aus: Frankfurter Biographie 2 (1996), S. 212f., verfasst von:
Reinhard Frost.
Dieser Artikel wurde noch nicht abschließend für das Frankfurter Personenlexikon überarbeitet.

Literatur: Arnsberg: Gesch. d. Ffter Juden 1983, Bd. III, S. 377-379. | Rosenheim: Erinnerungen 1970.
Quellen: ISG, S2/725.

GND: 116624337 (
Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).

© 2025 Frankfurter Bürgerstiftung und bei dem Autor/den Autoren

Empfohlene Zitierweise: Frost, Reinhard: Rosenheim, Jakob. Artikel aus der Frankfurter Biographie (1994/96) in: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), https://frankfurter-personenlexikon.de/node/936


Stand des Artikels: 5.4.1995

maandag 12 februari 2024

Hinweis auf Bildnis Rabbiner Dr. Leo BRESLAUER

 Freudige Nachricht: Ein Bild worauf Rabbiner Dr. Leo BRESLAUER (2. von links) zu sehen ist:

Datei:„Auhawe Tauroh“ 40 Jahre, mit Rabbiner Breslauer .jpg – FürthWiki (fuerthwiki.de)

 Mit großer Freude und Dankbarkeit habe ich von der obigen Datei im Internet erfahren.

Damit erfüllt sich mein Herzenswunsch, endlich ein Bild von Rabbiner Dr. Leo BRESLAUER zu sehen.

donderdag 26 oktober 2023

Raw Shimon SCHWAB über LIBERALE UND ZIONISTISCHE ASSIMILATION (1934)

 


Raw Simon SCHWAB
     (1908-1993)

 
„Die große Abrechnung“

3.

Da kam das Unerwartete. Gott schickte das große Juden-Hassen über Seine Welt. Die vor etwa hundert Jahren gewährte Emanzipation – die seelisch nie ganz durchgeführt werden konnte – ist heute ein großer Scherbenhaufen. Ein Unwetter hat uns erbarmungslos aus liebgewordenen Träumen wachgedonnert. Man weist uns aus dem politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Lebensraum des deutschen Volkes heraus. Der „totale Staat“ hat für den jüdischen Stamm und Rasse kein Betätigungsfeld mehr.

Und die Assimilation?

Die seit über einem vollen Jahrhundert bis zur Überspanntheit betriebene Assimilation, ist sie wirklich restlos – sinnlos geworden?

Es kam über uns die Hand Gottes. Es kam, ja es kam, die große Abrechnung Gottes. Die Assimilation wurde uns allen tausendfach um die Ohren geschlagen. Der tausendfältige Verführer wandte sich urplötzlich zum Ankläger…

Mit Herzblut schreiben wir es nieder. Scham über uns, brennende Scham, daß wir dies alles selbst verschuldet und nun doch nicht begreifen. (Daß wir auf alle dieses unerhörte Geschehen bisher noch nicht entsprechend reagierten). – Unsere Minderwertigkeit, die sogenannte erbbiologische, rassenmäßige Minderwertigkeit wird in allen Gassen ausgeschrieen,– und unsere verfallenen unbrauchbaren Mikvaoth zeugen wieder uns, unsere reformatorischen Geistlichen, die Get und Chalizoh verwerfen, zeugen wieder uns. Und die vielen Leichtsinnigen und Eitlen, die in thoraloser Ehe oder Mischehe leben.

Welche jüdische Frau hat wohl seit dem Zusammenbruch der Assimilation, unter dem Zeichen von Gottes großer Abrechnung, begonnen, thoragemäß Körper und Haar zu verhüllen? Welche?

Schande über dich, deutsche Judenheit!

Der geschändete Sabbat hat aber gegen dich Zeugnis abgelegt. Da deine Wirtschaftsexistenz auf Sabbatverrat begründet war. Gottes Vergeltung kam, deine Erwerbsmöglichkeiten sind dir eingeschränkt, der geschäftliche Boykott an einem Sabbattage über dich verhängt. 

Soll Gott noch deutlicher sprechen?

Seit fünfzehn Jahrhunderten wird an diesem Sabbat gerade – in Jissroél – Jesaias Warnruf verkündet:

Ich gebe Jaakob dem Banne preis,

Den Schmähungen, Jisrael!

Soll Gott noch deutlicher sprechen??

Und doch – man möchte aufschreien: wie viele Betriebe haben seit diesem Boykott-Tage am Sabbat Türen und Läden verschlossen? Ist es ein Wunder, daß man uns den spärlichen Verdienst oft neidet, da er doch in solcher Unheiligkeit erworben ward?

 Schande dir, du deutscher Jude, da du die schreckhaften Zeichen dieser Zeit nicht verstehst, noch deutest. Wie oft hast du in deinem Haushalt oder nur auf der Reise, Unheiliges und Verbotenes über deine Lippen gebracht. Gott hat dich geschlagen mit gleichem Maß. Die Schechitah ist dir genommen. Doch wo hattest du eiliger zu tun, als nun den Haushalt ganz offiziell trepha gleichzuschalten, die ja auch deine liberalen Berater dir leichtsinnige Zustimmung gaben.  

Wie wenige ahnen es doch, daß ein Morgen geschichtlicher Vergeltung herangebrochen ist, an dem Gott uns heimzahlt unsere und unserer Väter Schuld.

Von der uns zur Last gelegten menschlichen Schuld fühlen wir uns frei, nicht mehr betroffen als irgend andere Bürger in deutschen Landen. Unsere Obliegenheiten gegenüber Staat und Mitmensch sind wir stets sauber und korrekt nachgekommen. Doch in Gottes Augen sind wir ein treubrüchiges Volk. –

Was ist anders, besser geworden im inneren Leben des deutschen Judentums in unseren unseligen Tagen?

Hat ein Sturm der Enttäuschung die liberalen Geistlichen von ihren Kanzeln fortgefegt? Hat man ihnen die Gefolgschaft versagt? Nichts von alledem. Selbigen Herren ist es zum Teil recht wohl, sie machen in Zionismus.

Sie erlauben weiter Verbotenes, segnen weiter unjüdischen Ehen ein und erfreuen ihre Nachbeter mit den modernsten jüdisch-völkischen Phrasen.

Der liberale Jude, der einstmals in Stuttgart oder anderswo „sein“ Jerusalem fand, abonniert heute ein zionistisches Blatt, das eine andersartige Assimilation – also immerhin wieder Assimilation – eine Scheinlösung, die stolz macht und die, weil sie Gottes Willen nicht kennt, noch achtet, uns – vor allem – in keiner Weise in unserer Bequemlichkeit hemmt. Klubsesseljudentum mit umgekehrten Vorzeichen.

Zion, aus Liturgie und Predigt einst gestrichen, fortradiert, wird seelenruhig in den – Reisepaß wieder eingetragen.

 Die deutschtümelnden Juden vergnügen sich auf ihre Weise. Sie gründen Sportvereine, sogar ein leibhaftigen Kulturbund, auf daß wir um des lieben Himmels willen „nicht wieder in ein Ghetto“ kommen.

Die zionistischen Parteigänger der nationalistischen Assimilation an die staatspolitischen Ideengebilde der Umwelt sind in voller Emsigkeit. Sie werben und propagieren. Sie haben es leicht. Eine zionistische Teschuwah ist keine Askese. Neuhebräisch schnell gelernt. Die Enkel derer, die den Gedanken an Jerusalem einst aus ihren Synagogen bannten, drängeln heute vor englischen Konsulaten.

Im Übrigen denkt man Auswanderung, Berufsumschichtung, wirtschaftliche Selbsthilfe usw. Man ist zwar seelisch überaus gedrückt, aber nicht zerknirscht; niedergeschlagen aber nicht demütig. Am allerwenigsten Gott gegenüber.

Doch wer spricht von Gott bei alledem? Wer?

Wie jämmerlich würdelos und kopflos hat uns doch Gottes große Heimsuchung angetroffen. Die Schofartöne der Zeit, die Posaunen von Gottes Strafgericht blasen zur Heimkehr.

Gott wartet auf sein todkrankes Volk. Vergebens?

„Da der Prophet Amos fragt:

Wird das Volk nicht erzittern, wenn das Schofar geblasen wird in der Stadt?

Nein, Amos, das hast du wohl nicht gewusst, - das Volk wird weiter tatenlos bleiben wollen, wird – nicht erzittern! Gottes Volk wird Auswanderung oder Kulturbund propagieren, aber erzittern vor Gottes strafender Waltung wird es nicht.

Ist es dann noch Gottes Volk?? 

 

„Heimkehr ins Judentum“ S. 20-23   Hermon Verlag 1334

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