woensdag 6 maart 2024

dinsdag 5 maart 2024

Rabbiner Samson Raphael HIRSCH Auszüge aus dem Kommentar zur Wochenabschnitt Wajakehél

 


Rabbiner Samson Raphael HIRSCH

                              (1808-1888)

 

Auszüge aus dem Kommentar zur Wochenabschnitt Wajakehél

 

ויקהל

 

 Kap.35, 2  Sechs Tage soll Werk geschaffen werden, aber am siebten Tage soll euch ein Heiligtum, ein durch Werkeinstellung Gott zu begehender Sabbat sein; wer an ihm ein Werk schafft, soll hingerichtet werden.

 

Kap. 35, V.2 …[1]

…Wohl nicht vollständiger lässt sich das ganze Staatsleben darstellen als: die Beziehung des Individuums zur Gesamtheit, der Gesamtheit zum Individuum, d.h. die Leistung des einzelnen an die Gesamtheit, der Gesamtheit an den einzelnen und endlich  die Förderung der Gesamtheitszwecke im Gebiete der Gesamtheit, Beziehungen die wohl in prägnantester Weise durch: הכנסה מרשות הרבים לרשות היחיד, הוצאה מרשות היחיד לרשות הרבים, העברה ד' אמות ברשות הרבים ihren Ausdruck finden dürften. Wenn demnach der אסור aller übrigen מלאכות den Menschen in seiner physischen Weltstellung unter Gott unterordnet, so dürfte אסור הוצאה die Unterordnung des Menschen auch mit seiner sozialen Weltstellung unter Gott zum Ausdruck bringen, jenes ist die Huldigung Gott in der Natur, dieses seine Huldigung in der Geschichte, jenes stellt das Menschenwerk in der Natur, dieses das Menschenwirken im Staate unter der Herrschaft Gottes, und so gewiss begreift die Weltherrschaft Gottes sein Walten und Gebieten in Natur und Geschichte zusammen, und das durch die Sabbathuldigung zu erbauende Reich Gottes auf Erden ist erst dann ein volles und wirkliches, wenn der Mensch sich mit seinem Natur- und Staatsleben dem Gehorsam des göttlichen Willens unterstellt. Nunmehr dürfen auch die beiden Tatsachen, welche das göttliche Gesetz als Motiv des Sabbats aufführt, בריאת שמים וארץ und יציאת מצרים in ihrer sich einander wesentlich ergänzenden Bedeutung hervortreten. Die Weltschöpfung ist die Tatsache für die Herrschaft Gottes in der Natur, wie sie durch alle übrigen מלאכות zum Ausdruck kommt, die Erlösung aus Egypten für die Herrschaft Gottes im Staatenleben, wie dies durch איסור הוצאה seinen Ausdruck gewinnt. איסור הוצאה stellt somit den jüdischen Staat, das Wirken des jüdischen einzelnen für die Gesamtheit, der Gesamtheit für den einzelnen, sowie die Wirksamkeit der Regierenden im Staatsgebiete, Gehorsam unter die Herrschaft Gottes, und wir begreifen, wie in dem zitierten Prophetenworte[2]  die Erhaltung des Staates vor allem von der Sabbathuldigung durch איסור הוצאה abhängig gemacht und sein Untergang durch Verletzung des Sabbats durch הוצאה angekündigt wird. איסור הוצאה drückt den ganzen Staatsleben Gottes Siegel auf, הוצאה im Sabbat reißt das Gotteswappen vom Staate und von dem sozialen Leben im Staate.



[1] 39 Produktionskategorien.

[2] Jeremias Kap.17, 19 ff.

Rabbiner Dr. Mendel HIRSCH Aus dem Kommentar zur Haftoro des Wochenabschnittes WAJAKEHéL


 Rabbiner Dr. Mendel HIRSCH

              (1833 – 1900)

 

Aus dem Kommentar zur Haftoro des Wochenabschnittes WAJAKEHéL

 

Könige 1, Kap. 17, Vers 13 und folgende

 Der  Inhalt der Haftora bildet die Beschreibung der beiden Säulen „Jachin und „Boas“ und des „Meeres“. Eine nähere Betrachtung erfordern die beiden ersteren, die schon durch die auffällige Benennung als besonders bedeutsam gekennzeichnet werden. Die beiden Säulen befanden sich in der Halle vor dem Hechal, der Machtstätte, am Eingange zu ihr.

Hier nur noch ein Wort über den Totaleindruck, den diese beiden mächtigen Säulen am Eingange zum Heiligtum machen mussten und sollten. Denn daß es ein lebensweckender, auf Bedeutung und Zweck des Heiligtums  hinweisender Gedanke war, den sich Jedem entgegenrufen sollten,  der diesem Heiligtum sich nahte, das geht mit Evidenz aus den beiden Namen hervor, die der Weiseste der Sterblichen ihnen gab, vor dessen innerem Auge die Lichtworte der Symbolsprache des Heiligtums in ihrer ganzen Herrlichkeit aufgestrahlt sind, wie sie erst nach Jahrtausenden vor dem Geistesauge eines gottbegnadeten Forschers aufleuchten sollten, der sie in jenen Werke niedergelegt, deren allgemeinerem Verständnis erst die kommenden Geschlechter entgegenreifen. Wenn Salomo diese Säule „Jachin“ und „Boas“ nannte, so weisen beide auf das Gotteswort hin, das allein diesem Heiligtume Inhalt und Bedeutung verleihe. Die, vom Heiligtum geschaut, rechts, südlich, auf der Menorah-Seite stehende, verkündet mit ihrem Namen: „Jachin“, daß das hier thronende Gottesgesetz allein Jissroél und die Menschheit die Richtung und damit die feste Begründung zu geben habe, und die links, nördlich, an der Schulchan-Seite; stehende Säule kündet mit ihrem Namen: „Bo-as“, daß in diesem Gottesgesetze und in der Hingebung an dieses Gottesgesetz allein die unüberwindliche, allem obsiegende Kraft zu gewinnen sei. Die Forderung dieser Hingebung, die der Prophet Hosea später im Namen Gottes in die Worte kleidete: Ich will ja gern wie Tau sein für Jissroél, es muss sich jedoch diesem Tau öffnen wie die Lilie! (Hosea 14,6) Und wie vom unteren Teile des Kapitäles herunter grüssenden Granatäpfel? Was lehren sie anders als die Granatäpfel am Saume des Hohenpriester-Gewandes, daß nämlich im Heiligtum gehegten und von den Menschen dort zu gewinnenden Güter eine unendliche Fülle von Heilessaaten sind, die nur darauf harren, in die Erde gestreut und von der Erde empfangen zu werden, , um in der Gestaltung der irdischen Verhältnisse nach dem göttlichen Gesetze das Paradiesheil auf Erden aufblühen und schon auf Erden das ewige Leben gewinnen zu lassen.  So künden die Granatäpfel an den Kapitälen die Wahrheit, die derselbe Salomo Prov. 3,18 mit den Worten ausgesprochen: Das in diesem Heiligtum bewahrte Gottesgesetz ist der Baum des Leben, wer an ihn festhält, der ist beglückt – wörtlich: „der wird zu ewigem Heilesfortschritt und in ewigen Fortschreiten gefördert“.–  Vergessen wir in Ergänzung dieses Ausspruches nicht, daß, wenn hier in der Vorhalle sich uns die Früchte des עץ החיים, des Baumes des Lebens darstellen, im Heiligtume selbst im דביר, an der „Stätte des göttlichen Wortes“ auch die Cherubim, sowohl in den von Salomo gefertigten Gestalten, als auch vor allem in dem von Gott gebotenen Cherubim-Deckel vorhanden sind, als „die Paradieswächter, Beschützer und Bewahrer des Weges zum Baume des Lebens.“ – – 

 Jachin und Boas und das  „Meer“ und die ganze übrige Ausstattung des Tempels, von den unsere Haftora und die ihr vorangehenden und nachfolgenden Abschnitte des Buches der Könige berichten, sind längst dahingeschwunden. Sie haben den Bestand des Reiches nicht überdauert. Sie wurden nach Jer. a..a. O. in Stücke geschlagen und als Metall nach Babel transportiert, sind dort umgeschmolzen und vielleicht zur Erhöhung des Prunkes des Bel verwendet worden. Auch Babylon und die ganze Herrlichkeit des Bel deckt der Moder der Jahrtausende. – Die Wahrheiten aber, die sie lehren sollten leben und harren noch immer ihrer Verwirklichung. Und auch wir, die berufenen Träger dieser Wahrheiten, wir leben, und alle von Gott gefügten Wandlungen unsrer Geschicke haben keinen anderen Zweck, als uns zu wahren Trägern dieser Wahrheiten zu erziehen, bis daß einst ein jeder Jude in seines Lebens gesamter Richtung, Festigkeit und Vollendung als  „Jachin“ und durch die Kraft, die ihn aus allen Lebenskämpfen siegreich hervorgehen lässt, als „Boas“ dastehn wird in seines Menschheitspriestertums Vollendung. – –  

(Die Haftoroth übersetzt und erläutert, Frankfurt am Main 1896: S. 167- 175  Kommentar zu Könige 1. Kap 17…) 

Rabbiner Dr. Salomon BREUER Belehrung und Mahnung zur Wochenabschnitt Wajakehél (Auszug)


 Rabbiner Dr. Salomon BREUER

                (1850 – 1926)

 

ויקהל

 

Belehrung und Mahnung  zur Wochenabschnitt Wajakehél (Auszug)

 

An zwei Stellen fordert der Prophet Jesaja die Pflicht des Wohltuns מצות צדקה in inniger Verbindung mit שמירת שבת, mit der Pflicht, den Schabbos zu heiligen. שמרו משפט ועשו צדקה „Wahret das Recht und übet Milde!“ אשרי אנוש יעשה זאת“Heil dem Menschen, der solches übt“. Jedoch שמר שבת מחללו „Entweihet den Schabbos nicht“ (Jes.56) – Ferner in der eingangs erwähnte Stelle: הלא פרס לרעב לחמך „Brich dem Hungernden dein Brot“ – jedoch: אם תשיב משבת רגלך „Halte vom Schabbos deinen Fuß zurück.“ (Jes.58) –

Unser Prophet kann sich צדקה ohne Schabbos nicht denken; die Wahrung und Heiligung des Schabbos ist ihm Gradmesser für den Wert oder Unwert der צדקה, die jemand übt. „Gründe dein Leben auf צדקה“, ruft uns derselbe Prophet zu (Kap. 54); dann aber רחקי מעשק „halte dich fern von jeder Gewalt, jedem Unrecht!“ Ist doch צדקה nur dann eine sittliche Tat, wenn sie mit redlich erworbenem Gut geübt wird; mit gestohlenem, geraubtem Gut, mit fremden Eigentum lässt sich nicht gut צדקה üben. שמרו משפט Vor allem wahret das Recht, sorget dafür daß kein unredlich erworbener Groschen eure Habe entweiht, dann עשו צדקה, übet צדקה! Ist das aber eine Wahrheit, dann geht der Prophet in eisernen Konsequenz weiter: Ist צדקה ohne משפט nicht möglich, dann ist צדקה nicht denkbar ohne den Schabbos! Den Hab und Gut in unsrer Hand ist nicht unser Eigentum, wir haben kein Verfügungsrecht darüber, wenn wir nicht den zwischen uns und Gott bestehenden Rechtsvertrag respektieren. Diesen Rechtsvertrag aber ist der Schabbos. לה' הארץ ומלאה „Gottes ist die Erde, und was sie füllt“ sagt der Psalm (Kap.24), und doch heißt es an einer anderen Stelle (Kap.115) והארץ נתן לבני אדם „Er hat die Erde den Menschen gegeben“ – und es ist doch, wie die Weisen so sinnig meinen (Berach. 35a), kein Widerspruch: כאן קודם ברכה כאן לאחר ברכה „Hier vor der ברכה, dort nach der ברכה“ Solange wir nicht mit der ברכה Gott als dem Eigner alles Seiende huldigen, in dessen Dienst wir jeden Splitter unserer Habe zu stellen gewillt sind, solange ist alles, was wir besitzen גזל (das.) unrechtmäßig angeeignetes, Gott geraubtes Gut; erst mit der ברכה erlangen wir Anrecht auf die Welt und ihre Güter, gibt sie uns Gott, daß wir sie nach seinem Willen verwerten. – ברכה ohne Schabbos aber ist Blasphemie. Erst mit dem Schabbos zeigen wir, daß es uns mit der ברכה Ernst ist.  Zerreißen wir die Schabbosurkunde, glauben wir eigenmächtig in Gottes Welt schalten zu dürfen, dann ist alles גזל, geraubtes Gut, das wir der göttliche Bestimmung, dem göttlichen Verfügungsrecht entziehen zu dürfen uns vermessen. Wer Schabbos hält, die Forderungen des Schabbos in den שבתות של חול verwirklicht, wem Gott das Recht auf die Erdenwelt und ihre Güter verleiht, dem gereicht die צדקה, die er mit solchen Gütern übt, zu Gott gefälligem Tun. Wer aber den Schabbosgedanken verleugnet, in dessen Händen ist alles „Erworbene“ in Wirklichkeit „Raub“ an Gottes Eigentum, und der hat sich von vornherein jede Möglichkeit, צדקה zu üben, verwirkt! שמרו משפט ועשו צדקה ruft uns der Prophet zu, dann aber שומר שבת מחללו entweihet meinen Schabbos nicht, machet meinen Schabbos zur Wahrheit; das aber heißt, wie der Prophet alsbald fortfährt: שמר ידו מעשות כל רע bewahret auch eure werktätige Hand vor allem Bösen, vor allem Bösen, vor allem dem Gotteswillen Widerstrebenden! – הלא פרס לרעב לחמך Nur wenn du dein Brot den Hungernden reichst, ist deine צדקה eine sittliche Tat, dann aber אם תשיב משבת רגלך musst du den Forderungen des Schabbos in jeder Hinsicht gerecht werden! –  

Gilt dies aber von der צדקה, die wir Menschen gegenüber üben, so erst recht, in vielleicht noch höherem Maße  von der Spende, die wir Gott auf dem Weihealtar seines Heiligtums niederlegen: kein grässlicherer Hohn auf die Wahrheit, die Wahrheit, die Gottes Heiligtum zu vertreten berufen ist und zu der es die Glieder des jüdischen Volkes erziehen möchte, als Gott „geraubtes“ Gut zur Spende für den Aufbau des Gottesheiligtums zu bestimmen.

In dem Augenblick, da Jissroél in unserer Sidra zur Heiligtumsspende aufgerufen werden soll, schickt daher das Gotteswort die große, ernste Mahnung voraus: אלא הדברים אשר צוה ה' לעשות אתם Machte den Schabbos zur Wahrheit, verwirklicht ihn durch שתי שבתות, dadurch daß ihr „zwei Sabbate“ haltet, denn nur dann קחו מאתכם תרומה vermöget ihr von eurem Eigenen Gott eine Heiligtumsspende zu geben –

Wie tief und doch wie klar erscheint nunmehr die erklärende Bemerkung des Sohar: הלא פרס לרעב לחמך Dein Brot sollst du den armen Brechen, mahnt der Prophet, dein Brot ולא דגזלה ולא דעשק ולא דגנבה nicht aber geraubtes, mit Unrecht vorenthaltenes, gestohlenes –  

Der Schabbos allein macht uns zum rechtmäßigen Besitzer unserer Habe und verleiht unserer צדקה den Charakter einer reinen, Gott huldigenden Tat!

 Quelle: Rabbiner Dr. Salomon BREUER  Belehrung und Mahnung zweiter Teil Exodus J. Kaufmann Verlag Frankfurt am Main 1931 S. 68 -69

zondag 3 maart 2024

Rabbi Yosef GREENWALD denounces the group calling itself “Zionists”

Rabbi Yosef Greenwald, Puper Rebbe, New York (1903-1984)

 

רבי יוסף גרינוואלד זצ"ל אב"ד ואדמו"ר מפאפא

Unfortunately, in our time, heretics rule in the Holy Land over the Jewish people, and we are not free men… Also in the Holy Land, the verse “in the place of righteousness, there is wickedness” (Ecclesiastes 3:16) has been fulfilled. For the group calling itself “Zionists” has become powerful, a group against which our rabbis of blessed memory warned us and told us to keep as far as possible from, since they are rooted in heresy

https://www.nkusa.org/Historical_Documents/TheRabbisSpeakOut.htm

 

„In vier Worte, das ganze Programm des Judentums“

  Rabbiner Dr. Mendel HIRSCH               (1833 -1900)     לִנְטֹעַ שָמַיִם וְלִיסֹד אָרֶץ ! Aus seinem Kommentar zur Haftoro des...